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31. August 2018

Wir müssen reden – Wie ambitioniert ist unsere Nachhaltigkeitsdebatte wirklich?

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Ab sofort ist unsere Projektseite zur nationalen Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele in Deutschland mit allen 17 Zielen und ihren Indikatoren komplett. Auf 2030-watch.de könnt ihr mehr über die Fortschritte der offiziellen Ziele und ihre jeweiligen Indikatoren lernen. Zudem bieten wir zahlreiche ergänzende Indikatoren zur Erweiterung des Nachhaltigkeitsbildes in Deutschland. So könnt ihr einen Perspektivwechsel erleben und der Frage nachgehen: Wie ambitioniert ist die Nachhaltigkeitsdebatte in Deutschland? Wir tun das, weil viele offizielle Ziele zahnlos erscheinen, andere wiederum zu schwach angesetzt sind und manche relevanten Themen schlichtweg gar nicht vorkommen. Die Nachhaltigkeitsstrategie eines der reichsten Länder der Welt kann und sollte sich ein umfassenderes Bild zur Aufgabe machen – inländisch sowie international.

Wer, wenn nicht wir?

Wir untersuchen die Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands also aus mehreren Motivationen heraus. Deutschland ist ein hochentwickeltes und konsumstarkes Industrieland mit einem hohen Wohlstandsstatus, der teilweise über Nutzung von Ressourcen Dritter erreicht wird. Allein aus diesem Grund stehen wir in der Verantwortung, Wirkungen unseres (Konsum-)Lebens auf uns und Dritte zu berücksichtigen. Hier zu nennen ist zuallererst der ökologische Fußabdruck, der bis dato im offiziellen Indikatorkatalog fehlt. Ein weiteres anschauliches Beispiel ist das Verpackungsmüllaufkommen pro Kopf. Hier gehören wir zu den Spitzenreitern in Europa. Beide Indikatoren haben wir SDG 12 Nachhaltiger Konsum und Produktion zugeordnet und fordern Wirtschaft, Industrie, Staat und Bürgerinnen zu einem Über- und Umdenken auf. Auch der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft in SDG 2 Kein Hunger erzeugt Folgen. Der Einsatz solcher und anderer (oft durch naturverträgliche substituierbarer) Substanzen spielt sozial, ökonomisch und ökologisch über unsere Grenzen hinaus eine weittragende Rolle.

Auch anders gelagerte politische und wirtschaftliche Strategien und Umsetzungen müssen reformiert werden: So wird über SDG 9 das Ziel verfolgt, den Aufbau und Erhalt von widerstandsfähigen Infrastrukturen, die Förderung von breitenwirksamer und nachhaltiger Industrialisierung und Innovationen für eine Nachhaltige Entwicklung zu sichern. Doch bisher findet sich im Katalog der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie nur ein einzelner offizieller Indikator, der diesen komplexen Kontext beschreibt: Investitionen in Forschung und Entwicklung. Deshalb fordern wir, weitere Themen mit einzubeziehen und schlagen gleich vier weitere Indikatoren vor, wie die Anzahl von "Wissenschaftler*innen in Forschung und Entwicklung" im Vergleich sonstiger Beschäftigter zu berücksichtigen oder den Grad an Bereitstellung offener Daten in Form des "Open Data Index".

Wir streben mit den Vorschlägen an, die Nachhaltigkeitsdebatte um relevante bisher noch nicht ausreichend berücksichtigte Aspekte zu erweitern, um eine umfassendere Bewertung für eine zukunftsfähige Entwicklung zu fördern.

Die von uns recherchierten Indikatoren sind aus zahlreichen Expert*innen-Quellen. Dazu haben wir die Datenpatenschaften ins Leben gerufen. Ziel von 2030Watch ist es, für jeden Indikator einen Datenpaten zu haben. Datenpaten sind Fachorganisationen, die einen Indikator "adoptieren", den sie für ein Unterziel für sinnvoll halten. Darüber hinaus unterstützen sie das Projekt in der Datenbereitstellung. Bei Interesse, Datenpate zu werden, wendet euch bitte an 2030-watch@okfn.de. Bei dieser Gelegenheit möchten wir unseren Datenpat*innen herzlichst für ihre Unterstützung bedanken.

2030Watch in aller Kürze

Was?

Wir diskutieren anhand von Indikatoren, wie ambitioniert Deutschland die Agenda 2030 umsetzt.

Warum?

Die Nachhaltigkeitsdebatte in Deutschland muss kritischer werden.

Wie?

Unsere Indikatoren zeigen fehlende Themen, bessere Zielwerte und damit mehr Verantwortung.